Seite vorlesen > Audio Der spanische Jakobsweg für blinde und sehende Fahrradfahrer im September 2020! Wie es dazu kam! Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 Sprecherin Frau Susanne Moison

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Eigentlich sieht es im Moment ja immer noch „mau“ aus für Gruppenbusreisen in das europäische Ausland und dann auch noch nach Frankreich und Spanien! Aber ich habe da so eine kleine aber feine Gruppe von blinden und sehenden Fahrradfahrern, die sich die Vorfreude an der Reise im September einfach nicht nehmen lassen wollen.

Es erinnert mich fast ein wenig an die obligatorische Einleitung von allen Asterix & Obelix Ausgaben.

Hier die Corona-Interpretation (bitte stellt euch die charismatische Stimme des deutschen Sprechers vor:)
„Wir befinden uns im Jahr 2020. Die ganze Welt ist vom Corona-Virus besetzt. Die ganze Welt? Nein! Eine von unbeugsamen Fahrradfahrern bestehende Gruppe hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für den Virus, der auf den Ländern Deutschland, Frankreich und Spanien liegt“.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, wie die Römer von Obelix eins auf die Mütze bekommen haben, kann sich der Virus warm anziehen. 🙂

So freuen wir uns alle also immer noch auf die Tour und lassen uns nicht entmutigen. Ganz im Gegenteil: Es finden schon viele gemeinsame Radtouren als Trainingseinheit statt. Menschen aus den verschiedensten Regionen in Deutschland treffen sich, da sie eine gemeinsame Leidenschaft teilen: Das Fahrradfahren!

Doch wie kam ich dazu, diese Tour für blinde Radfahrer auszuarbeiten? Ganz einfach: Weil ich selber mit einem blinden Freund Tandem fahre. Adrian!

Ich hatte 2008 bereits eine erste Tandem-Pilgertour dieser Art von Mainz nach Rom organisiert. Daraufhin folgten noch weitere, die ihr lesen / hören könnt auf www.sarah-kultour.de. All diese Berichte kursieren ja dann irgendwo im Internet und wer zielstrebig sucht, findet mich dann auch – genauso wie Adrian.

Eines Tages rief er an und sagte: „Hier ist der Adrian Schmitz aus Merzig / Besseringen. Sie organisieren Tandemtouren? Fahren sie eigentlich auch selber Tandem? Ich suche eine/n Piloten / Pilotin. Wie groß sind Sie denn? Vielleicht passt es ja?“

Ich war doch etwas überrascht und überrumpelt (im positiven Sinne). Da erst wurde mir bewusst, dass ich schon für so viele Tandemteams Reisen ausgearbeitet hatte, aber noch nie selber mit einem Blinden gefahren war. Warum eigentlich nicht?

So fuhr ich zu ihm. Adrian hatte ein ganz neues sündhaft teures E-Tandem und ich hatte fast Angst, aufzusteigen. Doch nicht der Wert des Tandems flößte mir Ehrfurcht ein, sondern eher die Tatsache, dass Adrian mir vollstes Vertrauen entgegen brachte. Er wusste nicht, wie ich aussehe, welche Statur ich habe, wie fit ich bin, … er wusste gar nichts von mir!

Wir sind aufgestiegen und dann hieß es: Drei, zwei, eins, los! Wir sind einfach losgefahren! Adrian war so voller unbändiger Lust und er hatte es so genossen! Diese Lust konnte die anfänglichen Wackeleien nicht mindern. Es rollte bzw. wir rollten, als wären wir ein eingespieltes Team. Wir fuhren einen einfachen Weg an der Saar entlang. Adrian fing an zu singen und wenn es berghoch ging, gab ich immer nur Kommando „Adrian: duddeln“.

Der spanische Jakobsweg für blinde und sehende Fahrradfahrer im September 2020!

Er sagte dann immer: „Du Chefin. Ich mache was du willst“. Als wir so dahin radelten, sagte Adrian auf einmal: „Ich würde so gerne mal auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela fahren!“ Wer mich kennt, ahnt die Antwort: „Gut, dann machen wir das. Aber dann nehmen wir noch andere Tandemteams mit“!

Das war die Geburtsstunde unseres Plans. Adrian gab mir ein genaues Datum vor. Ich wunderte mich und fragte nach dem Grund. Da sagte er: „Sarah, am 21.09.1991 habe ich bei einem tragischen Autounfall mein Augenlicht verloren“. An diesem Tag möchte ich als Pilger in Santiago de Compostela bei der Messe dabei sein“.

Oh, da musste ich doch etwas schlucken, doch ich finde es stark, dass Adrian sich diesem Datum, welches sein ganzes Leben verändert hat, stellt. Und dann auch noch als blinder, pilgernder Radfahrer!“

Als ich ihm zusagte, dass wir die Reise planen können, hatte er sich riesig gefreut! Wer Adrian kennt, weiß, dass er aus dieser „außergewöhnlichen“ Reise ein „außergewöhnliches“ Projekt macht: Eine Benefiztour „Helft Maya“ (näheres unter https://www.herzensengel.saarland/helft-maya/).

Adrian hat trotz oder gerade wegen seiner Blindheit einen enormen Tatendrang, Gutes zu tun. So hat er vor Jahren den Hilfsverein „Herzensengel“ (www.herzensengel.saarland) gegründet, mit dem er und seine Mitstreiter viele hilfsbedürftige Menschen unterstützen.

So sind wir nun wieder ein gutes Team: Ich organisiere die Reise und er generiert Sponsorengelder, organisiert Trikots für jeden Teilnehmer, sorgt für die Vermarktung,….

Sogar ein Redakteur des Saarländischen Fernsehens, Alexander M. Groß, findet das Projekt so spannend, dass er eine kleine Dokumentation über Adrian und mich gedreht hat.

Gerne könnt ihr euch diese anschauen unter https://www.sarah-schaefer-reisen.de/videos/

Sollten wir (29 blinde und sehende Radfahrer aus ganz Deutschland!) im September wirklich auf Tour gehen, werden wir euch gerne auf www.sarah-kultour.de mitnehmen.

Bis dahin liebe Grüße an alle!

Eure Sarah

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